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Hamburg

Beschwerdebriefe

Beschwerdebriefe an Herrn Dr. Tschentscher

– english version below –

Liebe Menschen,

aktuell ist jede Form der politischen Meinungsäußerung in der Öffentlichkeit verboten, dennoch lassen wir uns den Mund nicht verbieten.
Die Idee: Wir überschwemmen das Hamburger Rathaus mit einer Welle von Beschwerdebriefen. Jede*r schickt entweder den vorgefertigten oder einen selbst formulierten Brief an den Hamburger Bürgermeister Herrn Tschentscher. Damit wollen wir unserer Forderung nach Solidarität mit allen Gehör verschaffen. Unten findet ihr unsere Briefvorlage. Druck ihn aus, schreib ihn ab, werde kreativ und ab damit in die Post!

>>>Hier könnt ihr den Beschwerdebrief als PDF runterladen.

Inhalt des Briefes:

Sehr geehrter Herr Dr. Tschentscher,

aus aktuellem Anlass schreiben wir diesen Brief. Wie in so vielen anderen Ländern und Städten, befinden sich die Menschen in Hamburg in einer besonderen Situation. Infolge der weitreichenden Ausbreitung des Virus Covid-19 bestimmen spezielle Ausgangsregelungen, Kontakteinschränkungen, Quarantänen und allgemeine Verunsicherung den Alltag jeder Person in Hamburg.

Die gegenwärtige Notsituation betrifft allerdings nicht alle Bewohner*Innen Hamburgs gleichermaßen. Während der Großteil der Menschen von sozialen Sicherungssystemen sowie einem gesicherten Zugang zu medizinischer Versorgung profitiert, bleiben geflüchtete und wohnungslose Menschen von diesen Hilfsmaßnahmen ausgeschlossen.

Mehr noch: Anstatt Schutz, erfahren geflüchtete und wohnungslose Menschen Gewalt und Repressionen, wie zum Beispiel die gewaltsame Räumung und Entfernung des Lampedusa-Zelts, das seit fast sieben Jahren ein wichtiger Ort des Protests, der politischen Selbstorganisation, der Information sowie der Zusammenkunft war. Ohnehin schon ausgegrenzte Menschen werden rücksichtslos ohne gesicherten Zugang zu Wohnraum, Gesundheitsversorgung und Nahrungsmitteln im Stich gelassen.

Doch nicht nur in Hamburg selbst schauen Herrschende teilnahmslos zu. Bei diesem Vorgehen handelt es sich um die Fortsetzung einer zutiefst inhumanen und verachtenswerten Flüchtlingspolitik, die u.a. in den Lagern für geflüchtete Menschen auf den griechischen Inseln und an den EU-Außengrenzen zum Ausdruck kommt. Die prekäre Lebenssituation der dort lebenden Menschen zeichnet sich durch katastrophale hygienische Bedingungen, mangelnde medizinische Versorgung sowie Lebensmittel- und Wasserknappheit aus. Der dortige Zustand wird nicht lediglich stillschweigend akzeptiert, vielmehr wird er aktiv von der Politik Deutschlands und Hamburgs mitgestaltet.

Während also geflüchtete und wohnungslose Menschen in Hamburg und an anderen Orten der Welt ausgegrenzt werden, wird von unserer Gesellschaft Solidarität gefordert. Eine Solidariät, die offenbar nicht für alle Menschen gilt.

“STAY AT HOME!” – Was dieser Tage also von allen Menschen verlangt wird, ist ein Privileg, weil es erstens nicht für alle Menschen möglich und zweitens nicht für alle Menschen sicher ist. Wir fordern die Stadt Hamburg dazu auf, endlich Schutzmaßnahmen für alle Menschen zu ergreifen!

Wir fordern Solidarität mit geflüchteten und wohnungslosen Menschen!

Wir fordern:

1. Unverzügliches Bleiberecht für geflüchtete Menschen nach Paragraph 23.
2. Sofortiges Recht auf Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Menschen.
3. Sofortiger Zugang zu sicherem Wohnraum für wohnungslose und geflüchtete Menschen.
4. Öffnung der Hotels für wohnungslose und geflüchtete Menschen.
5. Stoppt die Massenunterkünfte.
6. Stoppt Abschiebungen.
7. Recht auf Arbeit für geflüchtete Menschen.
8. Stoppt Racial Profiling.
9. Sofortigen Wiederaufbau des Lampedusa-Zelts.
10. Sofortigen Stopp der staatlichen Gewalt und der Ermordung von Migrant*innen an den EU-Außengrenzen und auf den griechischen Inseln.
11. Sofortige Evakuierung aller Migrant*Innen aus den Lagern für geflüchtete Menschen überall.
12. Sichere und legale Zugangswege nach Europa und Aufnahme der Migrant*Innen in solidarischen Städten.

Mit solidarischen Grüßen,

XXX

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Hello everyone,

Currently every expression of political opinion in public is forbidden. But we won’t shut up.
This is our idea: We flood Hamburg town hall with an enormous number of letters of complaint.  Every person sends a letter to the mayor of Hamburg, Mr Tschentscher. You can either use our prewritten letter or write your own letter. Like this we want to get attention for our demand for solidarity with EVERYONE. Below you find our prewritten letter. Print it, make a copy, be creative and put it in the mail.

>>>You can download the letter/ PDF file here.

Content of the letter:

Dear Dr Tschentscher,

due to the current situation we feel the urge to write this letter. People all around the world are experiencing a unique situation at the moment, so do we here in Hamburg. Due to the extensive spreading of the Covid-19 virus the daily lives of all citizens of Hamburg are dictated by special curfews, quarantines, social distancing and general uncertainty.

However, the current situation does not affect all the citizens of Hamburg equally. Whereas most people profit from a social security system and a secure access to healthcare, refugees and homeless people are excluded from such supporting measures.

Even worse: Instead of experiencing protection or help, refugees and homeless people experience repression and violence as for example the violent eviction and removal of the Lampedusa tent which was an important point of protest, political self-organisation, information and social interaction since almost seven years. Already marginalised people are being let down ruthlessly without secure access to shelter, healthcare or food.

Not only in Hamburg this is being watched indifferently by ruling people. This approach follows a very inhumane and despicable refugee policy which is for example exposed by the situation in the refugee camps on the Greek islands and at the European border. The critical living conditions in the camps is characterised by catastrophic hygienic conditions, scarce medical care and the lack of food and water supply. This situation is not only being accepted tacitly but is being actively influenced by politics of Germany and Hamburg.

While on the one hand refugees and homeless people are being actively excluded in Hamburg and other places in the world our society is being urged to show solidarity. A solidarity which seems not to apply to everybody.

“STAY AT HOME” – which is being expected of everyone at the moment is actually a privilege because firstly it is not possible for everyone and secondly it is no safe for everyone.

Therefore we request the city of Hamburg to immediately take protective measures which include everyone!

We demand solidarity with refugees and homeless people!

We demand:

1. Immediate right of residence for refugees following §23
2. Immediate right to healthcare for everyone
3. Immediate access to safe housing for homeless people and refugees
4. Open the hotels for homeless people and refugees
5. Stop mass camps
6. Stop deportations
7. Right to work for refugees
8. Stop racial profiling
9. Immediate reconstruction of the Lampedusa tent
10. Immediate stop of institutional violence and the murder of refugees at the EU-borders and
on the Greek islands
11. Immediate evacuation of all refugees from camps everywhere
12. Save and legal access routes to Europe and the integration of refugees in solidary cities

With solidary regards,

xxx