Lo siento, esta página no existe en español
Pressemitteilung vom 01.06.2026 um 09:00 Uhr
Das Klimagerechtigkeitsbündnis Ende Gelände zog bei der gestrigen Pressekonferenz auf dem Hammer Klimacamp eine positive Bilanz seiner Massenaktionen zivilen Ungehorsams. Trotz der Versuche, legitimen Protest zu kriminalisieren, haben sich insgesamt 1.850 Menschen auf den Weg zu Gasinfrastruktur gemacht und dabei zwei fossile Kraftwerke, eine Gaspipeline-Fabrik und einen Standort der Rüstungsindustrie erfolgreich blockiert.
Fran Leitner, Pressesprecher*in von Ende Gelände bilanziert: „Im Gasausbau fallen Klimakatastrophe, Kriege und soziale Krisen zusammen. In unseren Aktionen im gesamten Ruhrgebiet haben wir lokale und globale Kämpfe verbunden, deutlich gemacht, dass Antimilitarismus und Klimagerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit drei Seiten desselben Kampfes sind. In Hamm trat eine Klimagerechtigkeitsbewegung auf, die gerade deutlich an Größe und Vielfältigkeit gewinnt. Wir haben das gewaltvolle fossile System ins Wanken gebracht und wir werden das wieder tun.“
Mehrere Gruppen und Expert*innen üben scharfe Kritik am Vorgehen der Polizei. Bei der Besetzung der Werksschienen von Europipe wurde den Protestierenden über die Dauer einer achtstündigen Räumung der Zugang zu vorhandenem Essen und Rettungsdecken als Sonnenschutz verweigert. Aktivist*innen, deren Identität nicht festgestellt werden konnte, wurden in der prallen Sonne sitzen gelassen, während Sanitäter*innen den Ort verlassen mussten.
Violetta Bock, MdB Die Linke und Mitglied im Klimaausschuss des Bundestages, begleitete die Proteste den Tag über als Parlamentarische Beobachterin. Sie kommentiert: „Als Parlamentarische Beobachterin habe ich die Polizei am Freitag und Samstag zwar teils auch kooperativ erlebt, aber gerade in Zeiten der eskalierenden Klimakatastrophe ist der Umgang der Einsatzkräfte mit den legitimen Protesten insbesondere bei der Hitze am Freitag problematisch. Die Häufung des Aussetzens der heißen Sonne wirkte gezielt und war gesundheitsgefährdend“.
Rechtsanwältin Ann-Kathrin Perlhofer ergänzt: „Aktivist*innen berichteten mehrfach von grobem Machtmissbrauch sowie körperlichen und seelischen Übergriffen. Dazu gehörte: Ausübung und Androhung von unverhältnismäßiger körperlicher Gewalt bei der Räumung von Blockaden, Eingesperrt-halten von Aktivist*innen in überhitzten Bussen, verwehrte Toilettengänge und Essensversorgung, verweigerte Anrufe für juristische Unterstützung im Gewahrsam, Beschimpfungen und Beleidigungen von sich in Gewahrsam befindenen Aktivist*innen und dem Vorenthalten von Übersetzungen für internationale Aktivist*innen. Des weiteren erfuhren Aktivist*innen massive Diskriminierung, Übergriffigkeiten und auch wiederholt sexualisierte Gewalt seitens der Polizei, insbesondere durch männliche Polizisten: Durchsuchungen erfolgten im Genitalbereich und durch unangemessene, grobe Berührung, Toilettengänge nicht-männlicher Personen mussten mit Begleitung männlicher Beamter durchgeführt werden, nicht-binäre und trans* Aktivist*innen wurden in ihrer Geschlechtsidentität nicht anerkannt. Solche Übergriffe sind in höchstem Maße verstörend und bedrohlich“.
Außerdem berichten Besucher*innen des Camps von mehrfachen umfangreichen und teils unbegründeten Kontrollen bei der An- und Abreise, die als Schikane und Kriminalisierung legitimen Protests wahrgenommen wurden.
Ende Gelände verweist auf die demokratische und gesellschaftliche Bedeutung von zivilem Ungehorsam. Angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise sei ziviler Ungehorsam ein legitimes Mittel, um auf Missstände aufmerksam zu machen und öffentlichen Druck zu erzeugen. Ende Gelände gehe dabei an Orte der Zerstörung, um sie sichtbar zu machen und um durch Blockaden zu intervenieren.
Karin Zennig, Klimareferentin von medico international kommentiert: „Klimaschutz hat Verfassungsrang. Doch anstatt diesen umzusetzen, sabotiert die Bundesregierung durch den Bau neuer Gaskraftwerke systematisch die Einhaltung der Klimaziele. Proteste an neuralgischen Orten des fossilen Kapitalismus, wie von Ende Gelände in Hamm, zeigen die dramatischen Konsequenzen unseres Wirtschaftsmodells auf. Sie sind Teil eines globalen Kampfs für Klimagerechtigkeit, von dem auch medico international und unsere Partnerorganisationen in Asien, Afrika und Lateinamerika Teil sind.“
Trotz der repressiven Reaktionen der Polizei auf den Protest wertet Ende Gelände die diesjährige Massenaktion als durchschlagenden Erfolg für eine wachsende und vielfältige Klimagerechtigkeitsbewegung.
Kontakt:
Pressesprecher*in Fran Leitner: +49 1521 4512220