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Der Ende Gelände Newsletter
Die Bundesliga spielt, das Parlament tagt, die Schule hat angefangen – ganz offensichtlich ist der Sommer vorbei. Mit der Hitze hat sich aus den Schlagzeilen auch die Klimakatastrophe zurückgezogen und wird nur noch am Rande erwähnt, wenn es z.B. um die finanziellen Verheißungen von Rohstoffen oder neuen Schifffahrtsrouten geht, die dank der schnell schmelzenden Gletscher an den Polen frei werden.
Ende Gelände und seine Mitstreiter:innen haben die Katastrophe nicht vergessen. Die Hitze kommt wieder, ist in anderen Weltregionen immer noch da, genau wie Überschwemmungen, Bodenerosion, Brände. Und wir müssen kämpfen, um Ressourcen wie Luft, Wasser und Boden sauber und verfügbar zu halten.
In diesem Newsletter gibt EG-Aktivistin Conny einen Rückblick auf die Strategiekonferenz von Ende Gelände, die vergangenen August auf dem System Change Camp in Karlsruhe stattgefunden hat. Weiter geht es um ein niederländisches Partnerbündnis von Ende Gelände sowie um einen bevorstehenden Gerichtsprozess gegen einige EG-Aktivist:innen in Mönchengladbach. Und zum Abschluss gibt’s eine Zahl, die uns kürzlich zum Nachdenken gebracht hat.
Viele Spaß beim Lesen – auf geht’s, ab geht’s, Ende Gelände.
INHALT
- „Conny, wie war’s in Karlsruhe” – Das System Change Camp im August 2026
- 🌏 EG-Partner:innen #2: Geef Tegengas
- Prozess in Mönchengladbach im November 2026
- Hitze-Dossier im Missy Magazin
- Unterstützung in Dresden und anderswo
- Zahl der Woche
1. „Conny, wie war’s in Karlsruhe?”
Vom 13. – 25. August 2026 fand in Karlsruhe das System Change Camp statt. Ende Gelände-Aktivistin Conny war dort und hat auch die 2-tägige Strategiekonferenz von Ende Gelände besucht:
Conny, wie oft warst du schon beim System Change Camp (SCC)?
Das ist jetzt das dritte Mal in Folge: Erfurt 2024, Frankfurt 2025 und jetzt 2026 Karlsruhe.
Wie lange warst du dieses Mal dabei?
Acht Tage.
Wie ist die Stimmung grade bei Ende Gelände?
Einige Leute sind immer noch sehr erschöpft, aber andere haben schon wieder große Lust, sich mit den neuen Themen auseinanderzusetzen. Tatsächlich scheint mir, dass viele aus der Massenaktion Ende Mai im Ruhrgebiet neue Motivation gezogen haben.
Auf dem System Change Camp hat eine 2-tägige Strategiekonferenz von Ende Gelände stattgefunden. Um welche Themen ging es da?
Zunächst mal um die Verknüpfungen verschiedener Themen, also ob der Fokus von Ende Gelände weiterhin nur auf Gas liegen soll oder ob wir Gas mit zwei anderen Themen verknüpfen sollten, genauer gesagt mit Antimilitarismus und/oder mit Rechenzentren und Künstlicher Intelligenz – beides Bereiche, die große Klimaschäden verursachen. Außerdem ging es um die grundsätzliche Frage, in welcher Struktur wir arbeiten wollen, z. B. wie oft eine Massenaktion stattfinden soll.
Wie kann ich mir eine Ende Gelände-Strategiekonferenz vorstellen? Wie läuft das ab?
Wie hatten auf dem SSC ein eigenes Zelt, in dem wir uns versammeln konnten. Eine Kleingruppe von vier bis fünf Personen hatte die Konferenz sehr gut vorbereitet und auch abwechselnd die Moderation übernommen. Zu Beginn gab es dann zwei sehr interessante Inputs, einen über das Buch All In von Sinan Eden und Mariana Rodrigues sowie einen Vortrag von Julio Linares über das globale Finanzsystem und den Petrodollar-Kapitalismus. Anschließend wurden die Dossiers und Debattenbeiträge vorgestellt, die im Vorfeld von Kleingruppen und Einzelpersonen erarbeitet worden waren, jeweils mit dem Schwerpunkt auf den Themen Gas, Antimilitarismus und KI/Rechenzentren. Es gab aber auch Beiträge zu einzelnen Taktiken, z.B. Überlegungen dazu, Blockaden länger zu ziehen oder Aktionär:innenversammlungen zu stören. Daraufhin haben wir uns in Kleingruppen den verschiedenen Themen zugeordnet und mehrere Stunden diskutiert, Kommentare geschrieben, Änderungsvorschläge erarbeitet. Am Ende kamen dann alle wieder zusammen und haben die Ergebnisse in der großen Gruppe diskutiert. Und abends haben wir dann zusammen Küfa gegessen und am Crêpes-Stand rumgehangen.
Was war dein Highlight auf der Strategiekonferenz?
An einem der beiden Abende sind einige Leute noch länger im Zelt geblieben, ein paar haben sich beim Essen angestellt und allen, die noch da waren, was mitgebracht. Dann haben einige Karten gespielt oder nur geredet, einige sind noch zur Silent Disco gegangen. Das war irgendwie eine besondere Atmosphäre. Alles in Allem waren es zwei sehr intensive inhaltliche Tage und ich hatte das Gefühl, die Leute sind mit viel Motivation dabei.
Ach ja, und ein Highlight waren auf jeden Fall die WUPs!
Die was?
Die WUPs, also die Warm-Up-Spiele. Ich erinnere mich an eins, wo alle Grunzgeräusche machen mussten!
Gab es bei diesem SSC etwas, was ganz anders war als bei den anderen beiden Camps, auf denen du warst?
Für mich war der größte Unterschied, dass ich nicht nur in meiner EG-Ortsgruppe engagiert, sondern zum ersten Mal auf Bündnis-Ebene dabei war, somit bin ich anderen Leuten begegnet. Es gab auch sehr viel Raum, Leute neu kennenzulernen und mit ihnen zu quatschen.
Möchtest du noch irgendwas ergänzen?
Dieses System Change Camp war auch deswegen ungewöhnlich, weil zum ersten Mal das Haufen-Konzept ausprobiert wurde. Dafür haben sich die verschiedenen AGs in sogenannten Haufen neu strukturiert, haben sich jeden Morgen getroffen und Aufgaben verteilt, so gab es z.B. einen Kollektivierungshaufen, der sich um Kinderbetreuung, den Ansprechpavillon, den Infopoint gekümmert hat, oder einen Technikhaufen, einen Dolmetschungshaufen, etc. Ich glaube, es gibt verschiedene Ansichten, wie gut das funktioniert hat oder ob man das Konzept nochmal anwenden würde. Auf jeden Fall aber hat es dazu geführt, dass Leute mehr als sonst über die Aufgaben diskutierten, die verteilt werden müssen, damit so ein Camp funktioniert.
Danke für das Gespräch, Conny!
STECKBRIEF CONNY (Anfang/Mitte 20, Pronomen: sie/ihr)
Seit wann bist du aktivistisch unterwegs?
Seit Fridays For Future groß geworden ist.
Seit wann bist du bei Ende Gelände?
Seit ungefähr zwei Jahren.
Warum Ende Gelände?
Ich wurde eher nebenbei in die Klimagerechtigkeitsbewegung hinein sozialisiert und bin dabei immer wieder von Weitem mit Ende Gelände in Berührung gekommen. Als ich dann in eine Stadt zog, wo es eine EG-Ortsgruppe gab, war das die vertraute Option. Was ich generell sehr spannend finde, sind die vielen Perspektiven und Gestaltungsmöglichkeiten.
Was ist in einem Satz das Motiv für dein Engagement?
Es gibt viele politische Kämpfe, die mich beschäftigen. Der Fokus auf Klimagerechtigkeit ist eher zufällig gewachsen, aber ich finde es sinnvoll, in Bewegung zu sein und mich von da weiter mit anderen Themen zu befassen.
Was an der aktivistischen Arbeit macht dich glücklich?
Ich habe das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Und natürlich die Beziehungen zu Genoss:innen und das voneinander Lernen.
Eine Empfehlung für ein Buch, einen Film, einen Podcast?
Oh, das ist schwer, ohne eine konkrete Person vor Augen zu haben. Und da alle schon «Die Geschichte der kommenden Welten» kennen, würde ich das mal unbeantwortet lassen.
2. 🌏 EG-Partner:innen #2: Geef Tegengas
In der zweiten Folge der Serie über internationale Partnerbündnisse von Ende Gelände stellt die Ende Gelände-AG Internationales das niederländische Kollektiv Geef Tegengas vor:
Geef Tegengas (Niederländisch für «Sag Nein») ist ein Kollektiv, das mit direkten Aktionen den fossilen Kapitalismus, den Extraktivismus und die Militarisierung zu zerschlagen sucht. Das Kollektiv entstand Anfang der 2020er Jahre in Rotterdam, dem Zentrum der fossilen Brennstoff- und Schifffahrtswirtschaft der Niederlande. Ihre direkten Aktionen sollen Ungerechtigkeiten aufdecken, indem sie strategisch wichtige Knotenpunkte des Systems lahmlegen und so an entscheidenden Momenten und Orten die Strukturen der Ausbeutung und des ökologischen Kollaps stören. Ihre Aktionen verstehen sie als Selbstverteidigung der Gemeinschaften, Kulturen und Ökosysteme, zu denen sie gehören und die ihnen am Herzen liegen.
Am 6. November 2026 findet in Amsterdam die nächste Massenaktion von Geef Tegengas statt. Sie richtet sich gegen die Pläne von Microsoft, in Amsterdam ein großes Rechenzentrum zu errichten, das jährlich so viel Strom verbrauchen soll wie alle Amsterdamer Haushalte zusammengenommen und die Macht von faschistischen, imperialistischen Tech-Konzernen weiter ausbauen wird.
Ende Gelände, das seinen Kampf für Klimagerechtigkeit mit dem Kampf gegen den energieintensiven Ausbau von Rechenkapazitäten verbindet, ruft zur Teilnahme an der Aktion von Geef Tegengas am 6. November 2026 in Amsterdam auf.
3. Prozess in Mönchengladbach: Angeklagt sind wenige, gemeint sind wir alle!
Am Freitag, den 13. November 2026, steht um 10 Uhr ein wichtiger Gerichtsprozess am Landgericht Mönchengladbach an: Der Energiekonzern RWE verklagt vier Aktivist:innen, die 2021 bei der Blockade des Braunkohlekraftwerks Neurath im Rahmen einer Kleingruppenaktion identifiziert wurden, auf über eine Millionen Euro Schadensersatz. Die Argumentation von RWE steht auf wackeligen Beinen, aber Unterstützung für die angeklagten Aktivist:innen ist trotzdem notwendig, denn ein Urteil droht, Aktivist:innen auch weit über Ende Gelände hinaus einzuschüchtern. Um das zu verhindern, braucht es öffentlichen Druck.
Daher möchten wir ein starkes Zeichen der Solidarität senden und viele Menschen dorthin mobilisieren.
- Am 13.11. selbst am Landgericht Mönchengladbach vorbeikommen
- Auf Social Media und sonstigen Kanälen zur solidarischen Prozessbegleitung aufrufen
- Solivideos posten, die gerne auch mit anderen relevanten Themen verbunden werden können
- Gemeinsame Anreisen zum Prozesstermin organisieren
- Alle kreativen und sonstigen Soliaktionen :)
Wer mehr Infos braucht oder Austausch wünscht, schreibt an: bonn@ende-gelaende.org
Und: Bei rechtlichen Fragen gibt es hier Kontakte und Informationen https://www.ende-gelaende.org/rechtliches/
4. Hitze-Dossier im Missy Magazin
Das queer-feministische Missy Magazin hat in seiner Ausgabe 04/2026 ein 14-seitiges Dossier der steigenden Hitze und ihren Folgen gewidmet. Was macht Hitze mit den Menschen und ihrer Umwelt eigentlich genau? Wie geht es uns, wenn es heiß wird, und wen trifft die Hitze besonders? Und vor allem: Wie können wir ihr begegnen?
Hier kann die Ausgabe bestellt werden.
5. Unterstützung – In Dresden und woanders
Die Ortsgruppe Dresden veranstaltet ein Offenes Plenum, wo alle Interessierten voraussetzungslos hinkommen können:
Wann? 12.11 18 Uhr
Ort? auf Anfrage bei unserer Mail dresden@ende-gelaende.org oder über Instagram @ende_gelaende_dresden
Und wer sich grad nicht in der Umgebung von Dresden aufhält:
Die größte Unterstützung ist, wenn du dich bei Ende Gelände organisierst. Nur wenn es viele motivierte Menschen gibt, sind wir in der Lage große Aktionstage und Camps zu verwirklichen. Hier findest du Infos und Kontaktmöglichkeiten zu unseren Ortgsruppen.
Auch Spenden können wir immer gut gebrauchen (am meisten hilft uns eine wiederkehrende Zahlung, egal wie hoch oder niedrig der Betrag ist).
Darüber hinaus hilft es, wenn du den Newsletter teilst, uns auf diversen Social Media-Kanälen folgst und natürlich zu den nächsten Aktionstagen kommst :)
Zahl der Woche
31
Allein in Hessen befinden sich gerade 31 neue Rechenzentren im Aufbau oder in Planung (und das sind nur die, von denen die Öffentlichkeit etwas weiß, dank dieser Karte, die gemeinsam von Algorithm Watch, dem Heiße-Luft-Kollektiv, FragDenStaat und Leitmotiv erstellt wurde).
Da es keine offizielle Meldestelle für neue Rechenzentren gibt, haben Bürger:innen hier die Möglichkeit, in ihrer Region geplante Rechenzentren eigeninitiativ auf der Karte ergänzen zu lassen.