Ende
Gelände
2020


Kohle Stoppen. Systemwandel Jetzt!

  • Seit Februar 2020Proteste am Kohlekraftwerk Datteln IV
  • 16. - 19. Mai 2020EGGE: Shell must fall - Den Haag (NL)
  • Rund um den 27. September 2020Ende Gelände, Rheinisches Braunkohlerevier

Wir sind Systemwandel!

Aktionsbericht zur Lausitz-Aktion im November 2019

4.000 Aktivist*innen haben am Aktionswochenende vom 29. November bis
01. Dezember 2019 bewiesen: 2019 ist das Jahr der
Klimagerechtigkeitsbewegung – egal ob im Rheinischen, Lausitzer oder
Leipziger Braunkohlerevier. Nach der erfolgreichen Aktion im Rheinischen
Revier im Juni 2019, wurde zum Jahresende der Protest in das Lausitzer
und Leipziger Kohlerevier getragen. Damit war es das erste Jahr, in dem
der Betrieb in allen drei Revieren von Ende Gelände gestört wurde.
Erfolgreich haben Aktivist*innen in einer Massenaktion des zivilen
Ungehorsams die Tagebaue Jänschwalde, Welzow-Süd und Vereinigtes
Schleenhain sowie drei Punkte der Lausitzer Kohlebahn blockiert und
gezeigt: Wir nehmen den Systemwandel selbst in die Hand – ungehorsam und
gemeinsam.

Bei einer Eintagesaktion am 30. November 2019 blockierten 4.000
Aktivist*innen Kohleinfrastruktur im Lausitzer und Leipziger
Braunkohlerevier. Durch stundenlange Blockaden konnte das Kraftwerk
Jänschwalde nur noch auf Sparflamme laufen. Der Massenaktion zivilen
Ungehorsams waren am Tag zuvor weltweite Klimaproteste vorausgegangen.
Allein in Deutschland gingen 630.000 Menschen beim zweiten „Global
Strike“ auf die Straße, um mit Fridays for Future (FfF) einen Neustart
in der Klimapolitik zu fordern. Mehrere hundert Demonstrant*innen kamen
zudem am Samstag in die Nähe des Kraftwerks Jänschwalde, um sich bei
einer Demonstration von FfF und verschiedenen NGOs mit den
Aktivist*innen von Ende Gelände zu solidarisieren.

Ende Gelände hatte vor und während der Aktion jedoch nicht nur
Unterstützung erfahren: Die Behörden in Brandenburg und Sachsen hatten
versucht, der Aktion möglichst viele Steine in den Weg zu legen. Während
das Verbot von Maler*innenanzügen und Staubmasken gerade noch
rechtzeitig gerichtlich gekippt werden konnte, wurde in Sachsen die
Versammlungsfreiheit in weiten Teilen massiv eingeschränkt – doch
dadurch ließen wir uns nicht stoppen.

Zudem war das Aktionswochenende im Lausitzer Braunkohlerevier stärker
als je zuvor mit Anfeindungen und Gegenmobilisierungen konfrontiert –
von Seiten des Kohlekonzerns LEAG, der Industriegewerkschaft Bergbau,
Chemie, Energie (IG BCE) sowie rechter Gruppen und Hooligans. Neben
massiven Drohgebärden im Vorfeld der Aktion – in die auch einige
Polizist*innen aus Brandenburg mit einstimmten –, fanden am Tag selbst
mehrere Gegenkundgebungen statt. Ende Gelände ließ sich von den
Drohungen nicht einschüchtern, verstärkte jedoch seine
Sicherheitsvorkehrungen.

Doch auch trotz Anfeindungen aus der rechten Ecke gab es wieder kein
Demogeld für die Aktivist*innen. Noch schlimmer, wir benötigen dringend
Spenden – denn für das Ende der Kohle, brauchen wir Kohle.
Spenden können einfach überwiesen werden (wie auch der Beitrag für die
Anreisestädte, falls ihr das vergessen habt)!

Ende Gelände
IBAN: DE48 4306 0967 1120 8464 00
BIC: GENODEM1GLS

Hinzu kommt, dass wir Geld für Anwält*innen und Rechtsberatung brauchen
werden. Von denjenigen, die im Zusammenhang mit der Aktion rechtliche
Probleme bekommen, wollen wir keine Person alleine lassen. Auch dafür
kann an die oben angegebene Kontoverbindung gespendet werden.

Hier kannst du auch online spenden!

Ausführlicher Aktionsbericht

Erstmals in der Geschichte von Ende Gelände gab es kein zentrales Camp,
von wo aus die Aktivist*innen gemeinsam in die Aktion aufbrechen.
Stattdessen sammelten sich die Aktivist*innen vorab in Berlin, Dresden
und Leipzig, um dezentral in die Aktion zu starten.

Mit der Aufteilung auf drei Städte war jedoch auch klar: Ein Fußmarsch
vom Camp in die Grube fällt flach – denn Strecken von rund 100
Kilometern legen auch die geübtesten Aktivist*innen nicht soeben zurück.
Damit sollte sich die Anreise zur größten Herausforderung des Tages
entwickeln. Die Anbindung der Lausitz durch öffentliche Verkehrsmittel
ist – gelinde gesagt – grottig: Züge für 200 bis 400 Personen und
Fahrzeiten im ein bis zwei Stundentakt. Doch der Mangel an
Verkehrsmitteln sollte die Aktivist*innen nicht aufhalten: Busse wurden
gemietet und zwei Finger – lila und grün – gingen jeweils zwei- bzw.
dreigeteilt in die Aktion.

Getreu dem Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm“, sammelten sich am
Samstagmorgen um kurz nach vier Uhr die ersten Aktivist*innen des lila
Fingers am Berliner Südkreuz. Von hier aus machten sich rund 600
Aktivist*innen als lila-grüner Finger mit der Bahn auf den Weg. Nach
ungestörter Fahrt stieß Lila-Grün in Cottbus auf das (Spoiler!) einzige
Hindernis des Tages: eine zu kleine Bahn. Da nicht alle Aktivist*innen
wie geplant in den Zug passten, setzte sich der Finger kurzerhand zu Fuß
Richtung Osten in Bewegung – ein 10-Kilometer-Fußmarsch sollte folgen.

Doch auch bei den anderen Fingern war von Ausschlafen nicht die Rede:
Für die rund 500 Aktivist*innen im roten Finger ging es um kurz nach
fünf Uhr vom Berliner Hauptbahnhof los, wenige Minuten später stieg am
Ostkreuz der zweite Teil von Lila – als lila-orangener Finger – mit rund
450 Aktivist*innen dazu.

Rund 800 Aktivist*innen machten sich im Morgengrauen aus Dresden als
grüner Finger auf den Weg in die Aktion. Während gut 500 Aktivist*innen
gegen fünf Uhr in Busse stiegen, um Richtung Tagebau Welzow-Süd zu
fahren, machten sich rund 300 Aktivist*innen mit der Bahn auf den Weg
über Görlitz nach Koppatz.

Für den bunten Finger und die Anti-Kohle-Kidz ging es aus Berlin mit dem
Bus Richtung Braunkohlerevier. Gegen sechs Uhr sammelte sich rund 150
Aktivist*innen des bunte Fingers am Südkreuz und knapp 200
Anti-Kohle-Kidz machten sich am Ostbahnhof bereit. Nach einem
erfolgreichen Auftakt im Sommer war der bunte Finger erneut am Start, um
Menschen mit Rollstuhl, kleinen Kindern oder Unterlassungserklärung der
LEAG die Teilnahme an der Aktion zu ermöglichen. Ganz neu dabei: die
Anti-Kohle-Kidz (AKK). AKK wurde von einem bunten Mix aus Jugendgruppen
– von FfF bis Jugend-Antifa – organisiert und sollte insbesondere
Minderjährigen eine Teilnahme an der Aktion ermöglichen.

Gegen halb sieben Uhr in der Früh ging es auch für die Aktivist*innen
des goldenen Fingers los. Über 1.200 Aktivist*innen brachen mit der
S-Bahn Richtung Leipziger Land – und somit in das zweite
Braunkohlerevier des Tages auf.

Am Bahnhof Jänschwalde-Ost trennten sich die Wege des roten und
lila-orangenen Fingers: Der rote Finger stieg aus dem Zug und bahnte
sich durch Wälder und Polizeiketten seinen Weg in die Grube. Im
Sonnenaufgang erreichten die ersten Aktivist*innen um acht Uhr die
Grubenkante vom Tagebau Jänschwalde. Während ein Teil des Fingers auf
der ersten Grubenebene von der Polizei mit Gewalt eingekesselt wurde,
suchten sich mehrere Groß- und Kleingruppen ihre eigenen Wege in die
Grube und teilweise bis zum Förderband.
Alleine fuhren die Aktivist*innen von Lila-Orange weiter, um nur wenige
Minuten später am Bahnhof Teichland aus dem Zug zu springen. Hier
begegneten sie drei überraschten Polizist*innen, die dem Finger jedoch
nichts entgegenzusetzen hatten. Ungestört ging es über breite Wiesen zur
Kohlebahn. Gegen kurz nach acht Uhr war das Ziel erreicht und die
Aktivist*innen machten es sich auf den Gleisen bequem – direkt vor den
qualmenden Türmen des Kraftwerks Jänschwalde.

Ohne Umwege erreichte der grüne Bus-Finger gegen acht Uhr sein Ziel:
Proschim — ein kleines Dorf direkt an der Grubenkante, das noch bis vor
Kurzem vom Abbaggern bedroht war. Ohne Polizeipräsenz konnte der grüne
Finger, unterstützt von Rythm of Resistance, schnell die Grubenkante
erreichen. Von dort bahnte er sich den Weg in die Grube: Erste
Polizeiketten konnten umgangen werden, kurz vor erreichen der
Braunkohleinfrastruktur nahm die Anzahl der Polizist*innen jedoch massiv
zu. Die Polizei konnte die Bagger gerade noch rechtzeitig umstellen. Der
grüne Finger konnte aber — trotz mehrerer Stoppversuche — das
Aktionsziel erreichen und blockierten bis zum Sonnenuntergang die
Kohleinfrastruktur in der Grube Welzow-Süd.

Nachdem alle Aktivist*innen des goldenen Fingers mit mehreren Zügen in
der Nähe des Tagebaus Vereinigtes Schleenhain angekommen waren, begann
gegen acht Uhr ein Fußmarsch durch einen kleinen Wald und über Wiesen.
Die Polizist*innen konnten dem entschlossenen Finger nicht viel entgegen
halten und auch eine Kette fahrender Polizeiwägen wurde gekonnt
durchflossen. Im Tagebau angekommen bahnte sich der goldene Finger den
Weg bis hinunter zur dreckigen Kohle und zu zwei riesigen Kohlebaggern.
Gegen zehn Uhr waren die Aktivist*innen an ihrem Aktionsziel und haben
den Tagebau für diesen Tag lahm gelegt.

Der Teil des grünen Fingers, der mit dem Zug Richtung Kohleinfrastruktur
aufgebrochen war, hat sich in Görlitz noch mal getrennt. Der größerer
Teil fuhr mit der Bahn nach Neuhausen an der Spree, wo er sich mit AKK
vereinte. Der kleinere Teil musste auf Busse ausweichen.

Während der bunte Finger auf das Dorf Koppatz zu steuerte, fuhr AKK zum
Bahnhof in Neuhausen an der Spree. Hier sammelten sie die
Bahnfahrer*innen des grünen Fingers ein und liefen gemeinsam unter
buntem Pyro-Rauch die letzten hundert Meter zu den Schienen – wo sie die
Aktivist*innen des bunten Fingers bereits erwarteten. Hier machten es
sich die Aktivist*innen gegen kurz nach zehn Uhr gemeinsam auf
Kohleschiene und Straße bequem – und stellten durch die Kombi aus
Straßen- und Schienenblockade sicher, dass auch Menschen mit
unterschiedlichen Aktionslevel einen Platz fanden.

Nach einem Zwischenstopp mit Sponti in Weißwasser an der Kohlegrube
Nochten ging es für den in Görlitz abgetrennten Teil des grünen Fingers
Richtung Koppatz. Mit Bussen konnten sie die grün-bunte Schienblockade
erreichen und die Aktivist*innen vor Ort unterstützen.

Nach vier Stunden Fußmarsch durch Wälder und Wiesen und ohne größere
Zwischenfälle erreichte gegen halb zwölf auch der lila-grüne Finger sein
Ziel. Mit einem Überraschungsmanöver wurden die begleitenden
Polizist*innen abgehängt und die Aktivist*innen liefen breit
aufgefächert die letzten Meter bis zu Kohlebahn in der Nähe der
Kathlower Mühle. Hier legten sie die Füße hoch und hielten bis zum Abend
die Stellung.

Mit Einbruch der Dunkelheit räumten nach und nach alle Aktivist*innen
ihre Plätze. Gegen 19 Uhr war mit dem Ende der Gleisblockade durch den
lila-grünen Finger die Aktion erfolgreich beendet und alle
Aktivist*innen waren wieder auf dem Rückweg in die Anreisestädte.

Ende Gelände ist mit dem Aktionswochenende erneut über sich
hinausgewachsen und hat es geschafft, auch ein zweites Mal in diesem
Jahr tausende Menschen in eine Massenaktion des zivilen Ungehorsams zu
führen – und dabei erstmals zwei Braunkohlereviere gleichzeitig zu
bespielen. Es wurde an verschiedensten Stellen effektiv blockiert und
ein wichtiges Zeichen gesetzt. Denn dabei konnten weder eisige
Temperaturen noch Einschüchterungsversuche und Drohungen im Vorfeld die
Aktivist*innen aufhalten. Ein krönender Abschluss für das Klimajahr 2019
– und ein klares Signal für Klimagerechtigkeit und das Ende des
kapitalistischen Zeitalters. 2020 geht es weiter – denn: Wir sind der
Systemwandel!

Ohne die vielen Aktivist*innen und Menschen, die diese Aktion vor,
während und nach dem Wochenende organisiert haben, wäre das nicht
möglich gewesen. Vielen Dank an alle, die dabei waren!


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