Pressemitteilung vom 29.05.2026 um 7:00 Uhr
++ Massenaktion zivilen Ungehorsams gegen fossile Gasinfrastruktur ++ Zwei erste erfolgreiche Blockaden in Mülheim an der Ruhr ++
Mülheim an der Ruhr, 29.05.2026
Seit den frühen Morgenstunden protestieren rund 1.500 Aktivist*innen des Aktionsbündnisses Ende Gelände im gesamten Ruhrgebiet mit Massenaktionen des zivilen Ungehorsams gegen den Ausbau fossiler Gasinfrastruktur.
Eine Gruppe von 200 Menschen erreichte soeben den Standort der Europipe AG in Mülheim an der Ruhr und blockieren dort Europas größten Pipeline-Hersteller.
„Gas ist eine Risikotechnologie. Wer auf fossile Energie setzt, setzt auch auf Abhängigkeit von Krisenprofiteuren: Gas ist schon heute eine der teuersten Möglichkeiten, Strom zu erzeugen. Die Energiekonzerne lassen die Preisspirale immer weiter eskalieren: Während sie sich an Übergewinnen bereichern, werden unsere Geldbeutel belastet”, berichtet Fran Leitner, Sprecher*in von Ende Gelände. „Darüber hinaus werden wir abhängig von Autokraten, die durch Gasexporte ihre Kriege finanzieren. Früher von Putin – und heute rutschen wir direkt in die nächste Abhängigkeit von Donald Trump.”
Mit ihren Aktionszielen möchten die Aktivist*innen fossiles Gas nicht nur unter dem Aspekt der Energieversorgung problematisieren, sondern auch die engen Bezüge zu Rüstungsindustrie, Krieg und Gewalt sichtbar machen. Zu den Aktionstagen sind deshalb auch rund 500 internationale Aktivist*innen angereist, darunter Menschen aus Namibia, Rumänien, Kolumbien und weiteren vom fossilen Raubbau betroffenen Gebieten.
Juan Pablo Gutiérrez, Klimagerechtigkeits- und Menschenrechtsaktivist aus Kolumbien und Delegierter der indigenen Yukpa-Community, weist auf die Zusammenhänge fossiler Energieträger mit den aktuellen Tendenzen zur starken Militarisierung hin:
„Während Wälder brennen und ganze Gebiete austrocknen, stellen europäische Regierungen dennoch weiter Milliardenbeträge für die militärische Aufrüstung und neue Energieprojekte bereit. Die wahre Bedrohung für die Menschheit ist aber nicht der Mangel an Waffen, sondern die politische Unfähigkeit, sich von einer auf Zerstörung ausgerichteten Wirtschaft zu lösen.“
Eine weitere Gruppe von etwa 200 Aktivist*innen blockiert bereits seit 4:30 Uhr die Werkstore der zum Rüstungskonzern KNDS gehörenden Friedrich-Wilhems-Hütte. Sie gilt als Deutschlands wichtigster Produktionsort von Panzerstahl. Dazu erklärt Tomke Jansen, Pressesprecherin des Aktionsbündnisses Ende Gelände:
„Hier, wo bis vor einigen Jahren noch Rotornaben für Windräder vom Produktionsband liefen, wird nun wieder voll auf Panzerstahl gesetzt, und zwar mit Unmengen von fossilem Gas. Seit der Übernahme macht KNDS auch hier seine blutigen Geschäfte mit Krieg, Tod und Klimazerstörung. Die Menschen, die hier arbeiten, haben ein Recht darauf, ihren Lebensunterhalt mit zukunftsorientierter Arbeit zu verdienen. KNDS hat weder ein Interesse an der Umstellung auf gemeinwohlorientierte, saubere Produktion, sondern verfeuert hier für kurzfristige Profite unsere Zukunft. Wir werden dem Krieg den Gashahn zudrehen!“
Die Proteste richten sich ausdrücklich nicht gegen die Beschäftigten im Ruhrgebiet, sondern kämpfen für eine lebenswerte Zukunft für alle. Unter dem Motto “Waffeln statt Waffen” empfingen die Aktivist*innen am Werkstor Arbeiter*innen mit frischen Waffeln und kamen mit den Beschäftigten ins Gespräch. Über den gesamten Tag hinweg hat das Aktionsbündnis Ende Gelände weitere Aktionen geplant.
Kontakt
Tomke Jansen +49 179 1560556 | Sprecherin von Ende Gelände
Fran Leitner: +49 1521 4512220 | Sprecher*in von Ende Gelände
E-Mail: presse@ende-gelaende.org
Die jeweils aktuellsten Informationen finden Sie in unserem Telegram-Kanal: http://shortlink.uk/EGTG26
Website von Ende Gelände: www.ende-gelaende.org
Auf dem Ende Gelände flickr Account finden Sie Fotos von vergangenen Aktionen. Bei Interesse an einer Nutzung wenden Sie sich bitte an die dort verlinkten Fotograf\*innen:
https://www.flickr.com/photos/133937251@N05/albums
Hintergrund
Ende Gelände ist ein Aktionsbündnis für Massenaktionen für Klimagerechtigkeit, an denen sich tausende Menschen beteiligen. In den letzten Jahren hat das Bündnis immer wieder gegen den Ausbau von Gasinfrastruktur protestiert, beispielsweise gegen den Bau der LNG Terminals in Brunsbüttel, Wilhelmshaven und Sassnitz auf Rügen sowie zuletzt gegen einen Gasbohrturm im bayerischen Reichling. Im Ruhrgebiet, wo bereits fünf neue Gaskraftwerke angekündigt wurden, setzt Ende Gelände diesen Widerstand nun mit gebündelten Kräften fort. Das Bündnis mobilisiert seit 2022 erstmals wieder bundesweit für eine groß angelegte Massenaktion.