FAQ
Wann, wo und was ist die Aktion?
Was ist Ende Gelände?
Was ist das Ziel der Aktion?
Das Ziel der Ende Gelände Aktion 2026 ist, den Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland zu verhindern. Aktuell plant die Bundesregierung neue Gaskraftwerke mit einer Leistung von 12 Gigawatt zu bauen. Das sind etwa 20 neue Gaskraftwerke. Besonders Wirtschaftsministerin Katherina Reiche möchte sogar noch mehr Kraftwerke bauen. Im letzten Jahr hatte Kanzler Merz 50 neue Kraftwerke angekündigt.
Wir wollen alle Kraftwerke verhindern. Außerdem ist Ziel der Aktion, die Lobbylügen der Gasindustrie aufzudecken. Bisher übernimmt die Bundesregierung deren Erzählungen und Positionen unhinterfragt und verschließt die Augen davor, wie klimaschädlich, teuer, gewaltvoll und unsicher fossiles Gas ist. Das wollen wir ändern und gemeinsam einen Gasausstieg einleiten.
Warum ist die Aktion gegen Gas? 6 Gründe.
Zusammenfassung
Gas verstehen wir dabei nicht als rein technische Frage der Energieversorgung, sondern als Machtinstrument. Der Bau von Gaskraftwerken sichert dabei Herrschaft und Ausbeutung ab, vertieft soziale Ungerechtigkeiten und befeuert Kriege und neue koloniale Lieferketten. Diese gewaltvolle und ausbeuterische Spirale wollen wir durchbrechen. Deshalb sagen wir: Ende Gelände dem weiteren Gaseinstieg!
1 – Gas ist ein Klimakiller
2 – Gas ist teuer für Haushalte
3 – Gas macht abhängig von Faschisten
4 – Gas ist imperial und kolonial
Gasförderung ist meist dreckig, zerstörerisch und macht krank. Niemand will eine Gasbohrung im Hinterhof. Denn diese verseucht Gewässer und Luft und kann zu Erdbeben führen. Wir stehen an der Seite der Gemeinden gegen lokale Erdgasbohrungen, wie zum Beispiel durch unsere Aktion in Reichling in Bayern.
Doch weil die Förderung so schädlich ist, werden dreckige fossile Energien vor allem dort gefördert, wo die Menschen am meisten unterdrückt sind – in Autokratien mit kolonialer Kontinuität. Am Ende sind es Regionen im Iran, Irak, in Russland, Argentinien, oder in den Schwarzen Nachbarschaften in den USA, wo Gaskonzerne die Luft vergiften, die Menschen vertreiben, ermorden oder durch Verschmutzungen krank machen. Wer sich wehrt, muss mit Gewalt und dem Tod rechnen. Auch Kriege werden häufig um fossile Energien geführt. Wenn die deutsche Regierung Gas fördert, fördert sie auch diese koloniale und autoritäre Unterdrückung.
5 – Gas bedient die Interessen einer Milliardenlobby
Bei all dem Mist, den Gas bringt, fasst man sich manchmal an den Kopf und fragt sich: WARUM macht die Regierung das dann überhaupt?
Doch mit Katherina Reiche ist nun eine Gaslobbyistin bis an die Spitze des Wirtschaftsministeriums gerückt und fährt diesen Kurs nun munter weiter. Sie hat kurz vor diesem Amt noch beim fossilen Konzern E.ON in der Chefetage gearbeitet und schreibt nun die Forderungen von E.ON und RWE ab. Table.Media
6 – Gas bedeutet Profite für Fossile Konzerne, die Rüstungsindustrie und Big Tech
Im Ruhrgebiet befinden sich nicht nur die Zentralen mehrerer Energiekonzerne, sondern auch wichtige Standorte der Rüstungsindustrie. Dazu kommen neue Branchen wie Rechenzentren, die für das Trainieren von KI-Modellen unfassbare Mengen von Energie verbrauchen. Dafür werden auch an weiteren Standorten schon jetzt extra Gaskraftwerke gebaut. FR, Handelsblatt
Wir stellen uns dem entgegen und haben 100 Milliarden bessere Ideen für unsere Zukunft!
Was meint ihr mit „Fossiles Gas ist eine Risikotechnologie“?
Sie befeuern Kriege, Gewalt und Vertreibung. Sie töten, zerstören und sichern koloniale Machtverhältnisse ab. Sie machen uns gegenüber steigenden Preisen und den Profitinteressen von Konzernen abhängig. Und nicht zuletzt sind sie Klimakiller.
Wir sehen aktuell so sehr wie nie: Fossile Energie setzt die ganze Welt in Brand.
Was schlägt Ende Gelände als Alternative vor?
Wir wollen stattdessen erneuerbare Energien – sofort. Sie sind klimafreundlicher, günstiger, sicherer und sauberer als fossile Brennstoffe. Und sie sind ein zentraler Baustein für die Demokratisierung des Energiesystems. Gemeinsam und dezentral wollen wir darüber entscheiden, wie und wie viel Energie erzeugt wird, wie sie verteilt und wofür sie verwendet wird.
Aber das ist nur der erste Schritt. Eine klimagerechte Zukunft erfordert mehr als den Austausch von Energiequellen. Auch grüne Infrastruktur braucht Lithium, Kobalt, seltene Erden – Rohstoffe, die oft auf indigenen Territorien liegen und mit Landraub, Vertreibung, Gewalt und militärischen Angriffen abgebaut werden.
Wir wollen daher einen System Change, eine grundlegende radikalere Veränderung unserers Wirtschaftssystems und Zusammenlebens. Wir wissen, dass wir im globalen Norden weniger Energie verbrauchen müssen für eine klimagerechte Welt. Wir wissen, dass wir das auch gut können und darin ein gutes Leben für Alle sichern können. Denn echte Reduktion setzt für uns nicht bei individuellem Verzicht, sondern bei den Superreichen, bei der energieintensiven Industrie und bei Branchen wie der Kriegsindustrie und Big Tech an.
Ein wichtiger Schritt wäre, unsere Energieproduktion zu vergesellschaften – also die Profite und Entscheidungen unter Arbeiter*innen und Verbrauchern gerecht zu verteilen. Dadurch hätten wir eine demokratische Kontrolle statt einer reinen Orientierung auf Profite und Konzerninteressen.
Warum gerade jetzt diese Aktion?
Warum im Ruhrgebiet?
Welche frontline Communities kämpfen gegen Gas?
Gas produziert enorme Profite für eine Minderheit – und gleichzeitig extreme Gewalt, Vertreibung, Umweltzerstörung und Krieg. Fossile Projekte konzentrieren sich besonders auf Regionen, in denen rassifizierte, indigene, migrantisierte oder einkommensarme Communities leben. Gegen diese Unterdrückung an den „Frontlines“ des fossilen Kapitalismus sind lokale Communities oft schon seit langer Zeit im aktiven Widerstand. Diese lokal verankerten Kämpfe geht dabei weit über die jeweiligen Regionen hinaus: Sie richten sich gegen ein zerstörerisches System, das marginalisierte Communities und Zukunftsvorstellungen jenseits des fossilen Kapitalismus systematisch unterdrückt.
Hier findet ihr eine Pressekonferenz mit verschiedenen Stimmen von den Frontlines im Rahmen der Ende Gelände Aktion 2022
Fracking im Süden der USA
Fracking in Vaca Muerta (Argentinien)
Vaca Muerta ist die weltweit zweitgrößte Schiefergasformation. Sie liegt in einem Gebiet, in dem unter anderem indigene Mapuche Gemeinschaften seit vielen Generationen leben und Schafe, Ziegen, Kühe und Pferde halten sowie kleinbäuerliche Landwirtschaft betreiben. Da in Vaca Muerta sowohl Öl- als auch Gasvorkommen liegen, wird das Gebiet der Mapuche seit einigen Jahrzehnten ohne deren Zustimmung von der Argentinischen Regierung und internationalen Rohstoffkonzernen massiv ausgebeutet. Die Folgen sind Erdbeben (observatorio de sismicidad inducida), die Vergiftung von Luft und Gewässern und eine weiträumige Zerstörung des Ökosystems (Sacrifice Zone, OPSUR). Für dort lebende Kinder und Erwachsene bedeutet das die Zerstörung von Häusern, erhöhte Sterblichkeits- und Krebsraten, die Vergiftung von Lebensmitteln und Tieren und somit letztlich die langsame Vertreibung von ihren Gebieten. Gegen diesen Landraub sind die Mapuche gemeinsam mit breiten zivilgesellschaftlichen Bündnissen seit Jahren im aktiven Widerstand durch Basisorganisierung, Blockaden und Besetzungen. Doch dieser wird von den Konzernen und der Regierung gewaltvoll unterdrückt (OPSUR).
Vaca Muerta entwickelt sich aktuell vor allem durch Fracking immer weiter zu einem extraktivistischen Megaprojekt. Dafür werden auf indigenem Land gigantische Abbauanlagen, Raffinieren und Giftdeponien errichtet. Durch Pipelines wird das Gas quer durch Argentinien und Chile anschließend zu Häfen transportiert und als LNG ins Ausland exportiert (EJES). Hier zeigt sich, dass solche zerstörerischen Megaprojekte im Globalen Süden das direkte Gegenstück zu den LNG-Import-Terminals hier in Europa sind.
Die Zerstörung ist schon jetzt enorm, obwohl erst ca. 10-15% des Gebietes vom Gasabbau erschlossen sind. Die Geschwindigkeit, mit der das Fracking ausgeweitet wird, steigt aktuell extrem an. Wie auch Deutschland dabei zum Mittäter wird, zeigt aktuell Katherina Reiche: Sie will, gemeinsam mit Argentiniens rechtsradikalem Präsidenten Milei, nun auch Verträge für den deutschen Staatskonzern SEFE schließen, um ins Fracking einzusteigen und LNG aus Vaca Muerta zu beziehen (DUH).
Vaca Muerta reiht sich ein in neokoloniale Ausbeutung, die für fossile Konzerne und Länder des Globalen Nordens Profite schafft, während für die globale Mehrheit vor allem Zerstörung entsteht. Und die nächsten neokolonialen Megaprojekte sind bereits in Planung: Aus ganz Lateinamerika könnte nach der gleichen neokolonialen Logik neben LNG bald auch Wasserstoff nach Europa verschifft werden. Dafür werden ebenso gigantische Megaprojekte auf dem Land indigener Gemeinschaften geplant, die sensible Ökosysteme zerstören und – genau wie die Öl- und Gasindustrie – zu kaum Wertschöfpung innerhalb der Abbaugebiete beitragen. (Coalition for Human Rights in Development, gfbv, OLCA, taz).
Richtig gehört: Wir reden hier von genau dem Wasserstoff, mit dem uns die Gaslobby eine „grüne“ Zukunft fossiler Gaskraftwerke herbeireden will (DUH, ak).
TotalEnergies und Siemens Energy: Massacker für LNG in Mozambique
Gegen TotalEnergies gibt es dabei mehrere schwere Vorwürfe und eine Strafanzeige wegen mutmaßlicher Beihilfe zu Kriegsverbrechen. Während eines Terroranschlags auf die Hafenstadt Palma schützte das von TotalEnergies finanzierte Militär vor allem das LNG-Projekt, während über 1.000 Menschen weitgehend ungeschützt getötet wurden. (reclaimfinance) Von Anwohner*innen, die auf das Gelände flüchteten wurden 175 Menschen für mehrere Wochen eingesperrt, vergewaltigt und gefoltert, sodass nur 26 überlebten. Französische Gerichte ermitteln aktuell gegen TotalEnergies, da der Verdacht besteht, dass der Konzern in diese, später als „Container Massaker“ bekannt gewordenen Menschenrechtsverletzungen involviert war. Politico , Stop MozGas
Energie Embargo für Palästina
Wieso Ziviler Ungehorsam?
Welche anderen Aktionen und Akteure gibt es gegen Gas?
- We smell Gas: (International) https://www.wesmellgas.org/
- Gastivists: (European) https://gastivists.org/
- Energy Embargo https://www.energyembargoforpalestine.com/
- Urgewald (Germany): https://www.urgewald.org/shop/fossile-abhaengigkeiten-ki-hype-usa-deutschland
- Greenpeace: (Germany) https://www.greenpeace.de/klimaschutz/energiewende/gasausstieg
- DUH (Germany): https://www.duh.de/informieren/energiewende/gasausstieg/
- Campact (Germany): https://www.campact.de/klima/energiewende-retten-lobby-ministerin-reiche-stoppen/
- Geef Tegengas (Netherlands) https://geeftegengas.org/
- Ecologistas en Accion (Spain) https://www.ecologistasenaccion.org/319043/organizaciones-ecologistas-exigen-una-desgasificacion-compatible-con-el-clima-y-los-derechos-humanos/
- Stop Rosebank https://www.stopcambo.org.uk/
- Debt 4 Climate (International): https://www.debtforclimate.org/
- BiPOC4Future (Germany): https://www.instagram.com/bipocforfuture.de/
- FFF (Germany): https://fridaysforfuture.berlin/forderungen/
- Robin Wood: https://www.robinwood.de/blog/internationaler-gasgipfel-berlin-stoesst-auf-breiten-protest