Take care! – Sorgt gut für euch!

Infos zu Gesundheitsrisiken und Gefahren bei Ende Gelände-Aktionen

Schön, dass wir alle hier sind! Denn Kohleabbau gefährdet massiv Leben und Gesundheit von Menschen – global sowie ganz konkret hier im Braunkohlerevier Lausitz.

Uns ist die Sicherheit und Unversehrtheit aller Beteiligten bei „Ende Gelände“ sehr wichtig.

Bitte beschäftigt Euch deshalb intensiv mit all den Gefahren und Risiken in und an den Kohlegruben, auf den Baggern, in den Kohlebunkern, auf den Transportschienen, den Förderbändern, den Kraftwerken…

Hier findet Ihr zentrale Gefahren und Risiken zusammengefasst und begründete Handlungsempfehlungen – auch aus den Erfahrungen der letzten Jahre!

Die Verantwortung für Eure Entscheidungen liegt aber natürlich bei Euch.

1. Feuer

Die Kohlevorräte in der Grube und in den Kohlebunker sind hoch entzündlich: Kleine Funken reichen, um die Kohle in (Schwel)Brand zu stecken, eine Katastrophe auszulösen und das Leben und die Gesundheit vieler Menschen hochgradig zu gefährden!

Jeder Kippenstummel kann zum Desaster werden! Offenes Feuer und alles, was Brände verursachen kann, gefährdet euch und alle anderen massiv! Bitte beachtet das und gebt die Info an alle weiter

2. Alle arbeitenden Maschinen (Bagger, Kohlezüge, Förderbänder, LKWs) sind gefährlich!

Wir wollen mit vielen hundert Menschen die Kohleinfrastruktur blockieren, können auf dem Weg zu unseren Blockadepunkten aber Kohlezügen, großen LKWs, langen Förderbändern, Abraumbaggern und anderen Maschinen begegnen. Diese sind im Betrieb sehr gefährlich. Von den Maschinen und Förderbändern können außerdem Gesteinsbrocken und Kohle herunter fallen.

Macht keine leichtsinnigen Aktionen an Maschinen im Betrieb, sondern organisiert Euch in Euren Bezugsgruppen innerhalb der „Finger“ und überlegt gemeinsam, wie die Maschinen effektiv blockiert werden könn(t)en.

3. Kohlebahnen und Weichen

Die Kohlezüge fahren zwar meist langsam, sind aber sehr schwer und haben deshalb einen sehr langen Bremsweg!

Manche der Kohlezüge werden geschoben und nicht gezogen. Die Fahrenden haben wenig Chancen Euch und etwaige Schienenblockaden zu sehen, wenn ihr in direkter Nähe des Zuges versucht ihn zum Stoppen zu bringen.

Macht Euch ausgiebig Gedanken über Eure Sichtbarkeit und die Bremswege der Züge und vermeidet unüberlegte Aktionen, die euch gefährden!

An den Weichen der Schienenanlage sind bewegliche Teile. Achtet darauf die beweglichen Teile zu meiden. Bei überraschender Weichenstellungen kann es zu schweren Quetschungen eurer Körperteile kommen.

4. Oberleitungen an Schienen, Stromleitungen in der Grube

Die Oberleitungen über den Schienen stehen unter Hochspannung. Ohne Kenntnisse der technischen Details ist das Heraufklettern lebensgefährlich! Achtet bei Fahnen und Hochtranspis und anderem Material dieser Art auf einen großzügigen Sicherheitsabstand (mehr als 1,5m) zu den Leitungen. Auch ohne den direkten Kontakt kann es über viele Zentimeter hinweg zu schwersten Stromschlägen kommen. Bei Regen und Nässe erhöht sich die Gefahr. Selbst nach einem kurzzeitigen Kurzschluss kann die Stromleitung wieder unter Spannung stehen.

In der Grube werdet ihr überall Kabelstränge auf dem Boden und an den Förderbändern finden. Vermeidet auch hier jeglichen Kontakt. Auch diese stehen unter Hochspannung und die Isolierungen können defekt sein und somit einen Kontakt lebensgefährlich machen!

5. Die Grubenkanten und der Tagebau können sehr gefährlich sein!

Vermeidet bitte unbedingt, in Gruppen direkt an der Grubenkante zu stehen! Durch euer Gewicht kann es zu Abbrüchen kommen, schwere Stürze oder Verschüttungen können die Folge sein.

Die Kanten im Tagebau sind sehr unterschiedlich: Während einige problemlos begangen werden können, sind andere sehr steil, teilweise überhaupt nicht begehbar und es besteht eine große Verletzungsgefahr. Erd- und Sandrutschungen sollten nicht unterschätzt werden. Außerdem kann es je nach Witterung sehr schlammige Passagen geben, was bedeuten kann plötzlich bis zum Knie im Schlamm festzustecken. Die Gruben liegen unter dem Grundwasserspiegel, weshalb im Revier durchgehend und weiträumig Pumpen im Einsatz sind.

Die Fingerspitzen haben sich im Vorhinein über mögliche Wege informiert und wissen welche Kanten und Stellen begehbar sind. Solltet ihr ohne Ortskenntnis in kleinen Bezugsgruppen unterwegs sein, seid sehr vorsichtig.

Tragt feste Schuhe, damit Ihr nicht umknickt und gegen Schlamm gerüstet seid. Geht nur auf Wegen, die Ihr Euch sicher zutraut. Nachts ist das Risiko des Abrutschens noch mal deutlich größer, weil dann sichere Wege nicht zu erkennen sind!

6. Der Feinstaub im Tagebau und in den Kohlebunkern ist gesundheitsgefährend!

Staub wird eingeatmet, reizt die Atemwege, enthält Spuren giftiger Substanzen und von Radioaktivität. Viele Menschen arbeiten jahrelang im Tagebau und sind dem Staub ausgesetzt.

Für ansonsten gesunde Menschen dürfte eine begrenzte Aktion keine größeren Probleme verursachen. Schützt Euch mit Staubmasken! Sie sind sehr sinnvoll und werden Euch zur Verfügung stehen.

7. Risikogruppen, Vorerkrankungen

Allen Menschen mit Asthma, chronischen Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist klar davon abzuraten, in die Grube und in die Kohlebunker zu gehen. Das gilt auch für Menschen, die geschwächt sind durch Magen-Darm-Erkrankungen, Abwehrschwäche, (frühere) Krebserkrankungen oder starke Medikamente.

Es wird auch Protest und Widerstand außerhalb der Tagebaue und Kohlebunker geben, dem Ihr Euch anschließen könnt. Außerdem gibt es viele Infrastrukturaufgaben im Hinterland (Mahnwachen, Aktionslogistik, Infopunkte etc.) die auf Eure Unterstützung angewiesen sind.

Alle, die regelmäßig Medikamente nehmen, müssen diese unbedingt selbst ausreichend mitbringen!

8. Kälte, Regen, Verpflegung und Wasser

Achtet drauf gut für die Aktion und Blockade vorbereitet zu sein. Dazu gehört zu dieser Jahreszeit vor allem Schutz vor Kälte und Regen.

Nehmt unbedingt ausreichend Wasser zum Trinken und ggf. zum Spülen bei Pfeffersprayeinsätzen mit!
Deckt euch ebenfalls gut mit Essen und warmen Tee/Kaffee für die Aktion ein, so könnt ihr dem kalten Wetter trotzen.

9. Securities, Wach- und Werkschutz

Die Aufgabe der Securities ist es, dass Werksgelände zu schützen. Nicht alle halten sich dabei an ihre rechtlichen Befugnisse: Es muss mit Prügel, Pfeffer und anderer körperlichen Gewalt gerechnet werden.

Achtet darauf, nicht alleine im Revier unterwegs zu sein. Es empfiehlt sich auf unnötige Provokationen zu verzichten, besonnen zu bleiben und die Securities an ihre Befugnisse zu erinnern. Falls es zu Übergriffen seitens der Securities kommt, dokumentiert diese gut um später ggf. Anzeige erstatten zu können.

10. Dauer und Ort der Blockade, Übernachtungen, Lock-ons

Der Stress, den diese Aktion vielen Teilnehmenden machen kann, ist auch für Gesunde nicht zu unterschätzen. Eure Verantwortung ist es, mit Euch und in Euren Bezugsgruppen selbst auszumachen, wie weit Ihr gehen möchtet.

Die Dauer der Aktion steigert das persönliche gesundheitliche Risiko. Auch der Ort der Blockade spielt eine große Rolle. Geht mit Eurer Bezugsgruppe nur dorthin, wo es für alle von Euch gut ist, und bleibt nur so lange alle wollen. Fällt Eure Entscheidungen im Konsens und achtet darauf, dass sich niemand überfordert!

Die Blockade in der Lausitz ist für einen Tag ausgelegt. Dennoch ist es gut und wichtig sich für eine längere Blockade vorzubereiten. Wenn ihr euch darauf einrichtet, in eurem Finger und eurer Bezugsgruppe über Nacht zu bleiben, achtet auf Wärme (warme Kleidung, Schlafsäcke, „goldene“ Isodecken) und Sitzunterlagen (Teile von Isomatten), siehe Packliste.

Wenn ihr Lock-ons verwendet, um die Räumung einer Blockade zu erschweren, achtet darauf, dass ihr vor der Aktion bitte unbedingt an einem Training dazu teilnehmt. Sorgt dafür, dass Personen im Lock-on zuverlässing durch Personen ihrer Bezugsgruppen begleitet werden, die nicht im Lock-on sind.

11. Notfälle, Sanis, Out of Action

Nehmt in eurer Bezugsgruppe ein Erste Hilfe-Kit mit (siehe Packliste). Nehmt am Erste Hilfe-Training auf dem Camp teil (siehe Camp-Programm).

In allen Ende Gelände-Fingern gehen solidarische Sani-Teams mit. Ruft diese in Notfällen sofort dazu. Zum Selbstverständnis der Sani-Gruppen findet ihr Infos auf der Ende Gelände-Page (siene Demosanis).

Leider können Demosanis nicht immer überall sein! Deshalb gilt: Ruft in akuten Notfällen (z.B. Atemnot oder Bewusstlosigkeit) selber und direkt den Notruf „112“.

Wenn Personen die Aktion verlassen, weil sie auf ihre Grenzen achten oder belastende Erfahrungen gemacht haben, sorgt in euren Bezugsgruppen für Begleitung. Es wird einen „Out of Action“-Anlaufpunkt geben, wo ihr Ruhe und Gespräche mit erfahrenen Personen findet.

12. Personen unter 18

Es ist immer wichtig, dass jede Person (egal wie alt) sich ausreichend über die Aktion informiert und für sich entscheidet, ob sie sich gut vorbereitet fühlt, um in die Aktion zu gehen. Niemand sollte sich überfordern!

Bei Aktivist*innen unter 18 Jahre ist zu dem eine andere Rechtsgrundlage zu beachten. Bitte informiert euch in der Rechtshilfebroschüre und nehmt an Aktionstrainings teil.