Ende
Gelände
2018

Kohle Stoppen. Klima Schützen.

Demosanitäter*innen

Liebe Aktivist*innen,

in den letzten Jahren wurde Ende Gelände immer von Demosanitäter*innen unterstützt, deren Ziel es ist, Aktivist*innen auf Demos und bei Aktionen zu begleiten und im Ernstfall medizinisch (mit Erster Hilfe) zu versorgen.

Dabei sind Demosanis solidarisch mit den Inhalten der jeweiligen Aktion und sehen sich als Teil dieser. Sie nehmen i.d.R. jedoch “nur passiv” als Begleitpersonen teil und nicht als Dienstleister*innen oder gar Teil behördlicher Strukturen.

Demosanis verstehen sich hingegen als Teil der Antirepressionsstrukturen, werden keine Personalien erheben und keine Aussagen gegenüber staatlichen Organen machen. Der Schutz auch vor nachträglicher Repression hat hohe Priorität, dementsprechend werden keine Daten erhoben oder weitergeben, die in irgendeiner Form Rückschlüsse auf Einzelpersonen und ihre Handlungen zulassen.

Ausnahmen können sein, wenn es darum geht, Handlungen von z.B. Polizist*innen strafrechtlich verfolgen zu lassen. So wurde z.B. bei der November-Aktion 2017 ein*e Demonstrant*in von einem*einer Polizist*in vor ein Pferd gestoßen. Um dies durch Pressearbeit zu einer öffentlichen Debatte machen zu können, waren Informationen von Augenzeug*innen wichtig – und in diesem Zusammenhang wurden auch Demosanis aufgerufen, sich als Zeug*innen zu melden. Auch hier gilt jedoch, dass die Initiative von der betroffenen Person ausgehen muss und bis dahin auch in so einem Fall Demosanis keine Aussagen treffen werden. Zumal solch ein Fall, also ob Anzeige gegen ein*e Polizist*in erstattet wird, gut überlegt und auch immer mit erfahrenen Menschen besprochen werden sollte (das Legal Team hilft gerne!).

Auch in diesem Jahr wird es bei „Ende Gelände“ wieder eine autonome medizinische Struktur geben, die den Großteil an Verletzungen und Erkrankungen, die dort akut auftreten, versorgen kann. Dabei versuchen Demosanis, die Person bestmöglich zu behandeln und haben den Anspruch, eine wertfreie Behandlung, unabhängig von z.B. Gender oder Herkunft, durchzuführen. Für die darüber hinausgehenden Fälle können wir Kontakte zu lokalen Ärzt*innen und Krankenhäusern vermitteln.

Den Rettungsdienst werden wir nur in akuten Notfällen und, wenn möglich, in Absprache mit der betroffenen Person hinzuziehen. Damit wollen wir uns alle unabhängiger von staatlichen Strukturen machen, die mit Repressionsorganen zusammenarbeiten könnten. Für das sensible Vorgehen von Rettungsdienst, Ärzt*innen der Region und Krankenhäusern kann leider nicht immer garantiert werden. Versicherungstechnisch werdet ihr dort z.B. leider meist euren Klarnamen (also den, der in eurem Perso/Pass steht) brauchen. Trotzdem ist in Notfällen die körperliche und physische Unversehrtheit des*der Betroffenen für uns das Wichtigste.

Leider können Demosanis nicht immer überall sein! Deshalb gilt: Ruft in akuten Notfällen (z.B. Atemnot oder Bewusstlosigkeit) selber und direkt den Notruf „112“.

Für größere Unabhängigkeit empfehlen wir allen Aktivist*innen, bzw. zumindest 2 Personen pro Bezugsgruppe, an einem Bezugsgruppensani-Workshop teilzunehmen. Wir werden auch versuchen, einen Workshop vor Ort zu organisieren. Einen solchen könnt ihr jedoch auch bereits im Vorfeld, während der Vorbereitungen zu Hause stattfinden lassen. Fragt dazu einfach die Demosanigruppe eures Vertrauens an.

Wir bitten alle Aktivist*innen, für sich und andere eigenes Erste-Hilfe-Material und (wenn benötigt) auch unbedingt die eigenen Medikamente zum Camp bzw. den Aktionen mitzubringen. Der Inhalt eines KFZ-Verbandskastens (OHNE die Schere!) hat einen guten Umfang. Ebenso solltet ihr selbst genügend Essen, kalorienreiche Snacks und ausreichend wiederbefüllbare Getränkebehälter für Unterwegs mitbringen. Auch auf das Augenauswaschen gegen Staub oder Pfefferspray solltet ihr vorbereitet sein. Falls bei euch körperliche (z.B. Allergien, Asthma oder Diabetes) oder psychische Beeinträchtigungen bekannt sind, überlegt euch gut, an welcher Art von Aktion ihr teilnehmen wollt, ohne euch und andere zu gefährden und sorgt bitte dafür, dass mindestens eine Person in eurer Bezugsgruppe darüber informiert ist – das kann im Ernstfall Leben retten!

Noch ein paar Worte zur Demosanistruktur – nicht nur bei „Ende Gelände“:

Die meisten von uns, jedoch nicht alle, werden durch Sanitäter*innenkleidung gekennzeichnet sein. Das soll allen die Möglichkeit geben, uns im Bedarfsfall schnell zu erkennen. Leider ist es nicht immer möglich zu unterscheiden, wer aus unserer Struktur stammt, sich dadurch auch mit den oben genannten Grundsätzen (bzw. dem Sani-Konsens) identifiziert, und wer z.B. ein Sani der Polizei oder einfach eine Einzelperson ist, die auf eigene Faust handelt, und eventuell eine Repressionsgefahr darstellt.

Deshalb werden wir niemals nach euren Personalien oder danach, was ihr getan habt, fragen. Uns interessiert nur, wie wir medizinisch helfen können. Um euch, die Strukturen und auch uns zu schützen, erzählt Sanis bitte nichts, was über medizinisch notwendige Infos hinausgeht. Bleibt jedoch dabei bitte bei der Wahrheit (also war es z.B. Sturz, Schlag, Allergie, vergessene Tabletten, etc., was zu eurem Zustand geführt hat). Und es ist cool, euch mit einem Namen (gern euer Aktionsname) ansprechen zu können. 😉

Kurze Check-Liste

  • Am Erste Hilfe Training (allgemein, bzw. demospezifisch) teilnehmen
  • Erste-Hilfe-Pack einpacken
  • medizinisch Wichtiges (z.B. Allergien) in eurer Bezugsgruppe besprechen – und auch sonst noch alles andere Wichtige, z.B. wer euch in Notfällen begleitet
  • In akuten Notfällen (z.B. Atemnot oder Bewusstlosigkeit) nicht zögern, Notruf „112“ wählen!